Deal or no deal?

Avaris‘ wechselvolle Handelsgeschichte

(English version below)

Finden Archäologen ein Objekt an einem bestimmten Fundort, so besagt dies nicht, dass dieses ursprünglich von diesem Platz stammt. Es könnte von weit her importiert worden sein. Dies trifft insbesondere in Avaris zu, das einst für den Seehandel von grosser Bedeutung war. Die Stadt bildete die Drehscheibe für den Güteraustausch zwischen dem östlichen Mittelmeerraum und dem Niltal. Schätzungsweise über 2 Millionen Gefässe gelangten in einem Zeitraum von etwa 250 Jahren durch den Handel nach Avaris.

Die Herkunftsbestimmung von Artefakten ist jedoch nicht immer einfach. Ein Objekt kann nie sicher als Import identifiziert werden, nur weil es einem „fremden“ Objekt ähnelt. Es könnte sich genauso gut um eine Imitation handeln. Dies betrifft vor allem die Keramik in Avaris, deren Vorbilder im syrisch-palästinensischen Kulturkreis zu finden sind.

Importton

Karin K. mit einem Importton / Karin K. with an imported clay

Einen zuverlässigeren Hinweis auf Import liefert die Herkunftsbestimmung des Rohmaterials, aus welchem ein Objekt hergestellt wurde. Besonders im Fall der Keramik ermöglicht die Charakterisierung der Tone, ihre Herkunft zu bestimmen. Karin Kopetzky widmet sich bei den Ausgrabungstätigkeiten in Tell el-Dab’a / Avaris der Herkunftsbestimmung der Importkeramik durch petrographische Analysen. Oftmals sind es Einschlüsse im Ton (beispielsweise Minerale), die für eine bestimmte Herkunftsregion typisch sind. Daraus ergibt sich eine wechselvolle Handelsgeschichte für den Fundplatz Avaris.

In einer ersten Besiedlungsphase während der 12. Dynastie war Avaris als Umschlagplatz noch von bescheidener Bedeutung. Die Importgefässe beschränken sich noch auf wenige Formen: v.a. Amphoren, Schöpfkannen und Krüge der „Levantine Painted Ware“. Die petrographischen Analysen deuten auf den Libanon als Ursprungsregion. Insbesondere Byblos war bereits seit dem Alten Reich der wichtigste Handelspartner Ägyptens.

Zu Beginn der 13. Dynastie erweiterte man das Handelsnetz oder zumindest die Anzahl der Handelspartner. Dies dürfte nicht zuletzt auf die Ansiedelung von Asiaten in Tell el-Dab’a zurückzuführen sein und macht sich bemerkbar in neuen Bezugsquellen von Amphoren und durch zahlreiche neue andere Import und Gefässformen (u.a. Kamaresware und Tell el-Yahudia-Krüge). Während in frühen Phasen die umgeschlagenen Waren größtenteils zu anderen bedeutenden Städten weitergeleitet wurden, verblieb nun bereits ein grosser Teil in Avaris. Erste Imitationen von mittelbronzezeitlichen Gefässen verdeutlichen, dass vermutlich die Menge der eingeführten Güter nicht mehr ausreichte, um den lokalen Bedarf zu decken.

digitales Mikroskop

Karin K. untersucht Importtone am digitalen Mikroskop / Karin K. is analysing imported clays at the digital microscope

Ab Mitte der 13. Dynastie begann ein neuer Abschnitt in der Entwicklung: Die Bewohner von Avaris kreierten nun auch Formen, die keine direkten Parallelen im restlichen Ägypten oder syrisch-palästinensischen Raum haben. Vermutlich führten politische Probleme zur Lockerung des strengen staatlichen Verwaltungssystems in Ägypten. Dies machte den Weg frei für neue Impulse in der Keramikproduktion. Daneben ist ein Anstieg von grossen Vorratsgefässen feststellbar. Daraus könnte man ebenso auf eventuelle Versorgungsengpässe von Seiten der zentralen Stellen schliessen.

Dieser Einschnitt macht sich auch aussenpolitisch stark bemerkbar. Der Handel nach Vorderasien brach ein, dafür wurde der Handel mit Zypern nun verstärkt aufgenommen.

Den vorderasiatischen Einwanderern in Avaris gelang es schliesslich, sich politisch unabhängig zu machen. Die sogenannten Hyksos bildeten die 15. Dynastie. Dies zeigt sich auch in der Keramik: Es kommen neue Formen und Tone auf und bisher übliche Importe verschwinden.

Die zunehmenden Feindseligkeiten zwischen den Hyksos im Norden und der thebanischen 17. Dynastie im Süden wirkten sich ebenso auf den Handel aus. Zu Beginn der Hyksoszeit gab es noch einen Warenaustausch mit dem Süden, der später jedoch nicht mehr gegeben war.

Möglicherweise verhängten die Hyksos, die vermutlich zumindest das gesamte Delta beherrschten, ein Handelsembargo über den Süden. Theben war vom östlichen Mittelmeerraum abgeschnitten und verlor dadurch an wirtschaftlicher Bedeutung. Diese musste im Verlaufe der 18. Dynastie erst wieder zurückgewonnen werden. Inwiefern dies zutrifft, können jedoch erst künftige Ausgrabungen bestätigen.

Für weiterführende Informationen und Literaturhinweise siehe:

Karin Kopetzky: Tell el-Dab’a XX. Die Chronologie der Siedlungskeramik der Zweiten Zwischenzeit aus Tell el-Dab’a. Wien, 2010.

Weitere Publikationen sind in Vorbereitung.

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English version:

The eventful trading history of Avaris

When archaeologists find an object at a specific location, it does not imply that it originates from that place: it could have been imported from far away. This is especially true at Avaris. This ancient city was once of great importance for maritime trade, as the hub for the exchange of goods between the Eastern Mediterranean and the Nile Valley. It is estimated that over 2 million ceramic jars containing a variety of goods arrived at Avaris for trade over a period of about 250 years.

However, identifying the provenance of artefacts is not always easy. An object can never be reliably identified as an import just because it is similar to a „foreign“ object, as it could be a deliberate imitation. This is especially true of the ceramics found at Avaris, the prototypes of which can be found in the Syro-Palestinian region.

Amphoren

Yasser und Hassan restaurieren Amphoren / Yasser and Hassan are restoring amphorae

A more reliable indication of imports comes from an object’s raw material. Particularly in the case of ceramics, the characterisation of the clays allows us to determine their origin. At the excavations at Tell el-Dab’a, Karin Kopetzky dedicates herself to the tracking of imported pottery through petrographic analysis. Often some of the inclusions in the clays (e.g. minerals) are characteristic of a specific region. Such analyses enable us to map changing trading patterns at Avaris.

In its first phase of settlement during the 12th dynasty, Avaris was as a trans-shipment centre of modest importance. The imported jars were limited to a few forms, mainly amphorae, dipper juglets and jugs of „Levantine Painted Ware“. The petrographic analyses suggest the Lebanon as their region of origin. In particular, Byblos was the largest trading partner of Egypt since the Old Kingdom.

At the beginning of the 13th Dynasty the trading network was extended – or at least the number of trading partners grew. This is probably due to the settlement of people from the Near East at Tell el-Dab’a, and manifests itself in new sources of amphorae and numerous other new imported containers (including Kamares ware from Crete and Tell el-Yahudia jugs from the Levant. While in the early periods transhipped goods were largely passed on to other major cities, now a large part remained in Avaris. Local imitations of Middle Bronze Age vessels show that probably the amount of imported goods was no longer sufficient to meet requirements.

From the middle of the 13th Dynasty a new period of pottery development began: the inhabitants of Avaris now created forms that have no direct parallels in the rest of Egypt nor the Syro-Palestinian area. Probably political problems led to the liberalization of the strict administration system in Egypt, and paved the way for a new impetus in the ceramic production. In addition, an increase in the number of large storage vessels is observed. This may perhaps be connected to a possible bottleneck in supply by the official authorities.

This break in relations with the Near East is also reflected in foreign policy. The trade with the Middle East collapsed, but trade with Cyprus was strengthened.

The Near Eastern immigrants to Avaris finally managed to make themselves politically independent, and their rulers, the so-called Hyksos, formed the 15th dynasty. The change is also reflected in the ceramics in that there are new forms and clays, and the hitherto common imports disappear.

The increasing hostilities between the Hyksos in the north and the Theban 17th dynasty in the south had an impact on the trade. Whereas at the beginning of the Hyksos period there were exchanges of goods with the South, these later disappeared.

The Hyksos, who probably dominated the entire Delta, may have imposed a trade embargo on the South. Thebes was thereby cut off from the Eastern Mediterranean and lost economic importance. This had to be recovered during the 18th Dynasty. To what extent this hypothesis is true, however, can only be confirmed by future excavations.

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Avaris lebt! – Forschungen im Areal R/III in Tell el-Dab’a / Avaris is alive! – Research in the area R/III at Tell el-Dab’a

(English version below)

Oft wird das Alte Ägypten als das Land der Pharaonen wahrgenommen, mit großen Tempeln und reichen Gräbern. Demgegenüber versucht gerade die jüngere Forschung ein klareres Bild über die altägyptische Alltagswelt zu schaffen. Die Siedlungsarchäologie in Tell el-Dab’a bietet dazu eine ausgezeichnete Gelegenheit. Im Fokus stehen die Bewohner der antiken Stadt Avaris.

Ausgrabungen

Ausgrabungen im Areal R/III / Excavations in the area R/III

In drei Kampagnen zwischen 2010 und 2012 wurde ein neues Stadtquartier freigelegt, das sogenannte Areal R/III. Dieses spielte als Verwaltungs-und Wohnbezirk eine entscheidende Rolle in der Stadt Avaris während der späten Zweiten Zwischenzeit.

Die Aufarbeitung der Funde und Befunde vollzieht sich im Rahmen des FWF-Projektes „Abläufe einer ägyptischen Stadt – Fallstudie Tell el-Dab’a“, Projektnummer Projekt P25804-G19. Dieses beschäftigt unter anderem zwei Doktorandinnen aus den Gebieten der Ägyptologie und Vorderasiatischen Archäologie: Vera Michel bearbeitet seit 2014 die Keramik, Chiara Reali die Siegelabdrücke und weiteres Verwaltungsmaterial.

Chiara Reali

Chiara Reali untersucht Siegelabdrücke / Chiara Reali is analysing seal impressions

Die größte Fundgattung der materiellen Kultur aus dem Areal R/III bilden die etwa 1200 Siegelabdrücke, welche ägyptische und vorderasiatische Einflüsse zeigen. Unter diesen identifizierte Chiara R. den Namen des hyksoszeitlichen Herrschers Chayan sowie Beamtentitulaturen. Ebenso von Interesse sind die ikonographischen Motive, die versiegelten Behältnisse und die dazugehörigen Güter.

Die Keramik gehörte zu den wichtigsten Alltagsgegenständen im Alten Ägypten. Die Mehrheit der Gefäße stand im Zusammenhang mit Lagerung, Zubereitung, Transport und Verzehr von Lebensmitteln und anderen Rohstoffen. Die Herkunftsbestimmung der nach Tell el-Dab’a importierten Tonwaren gewährt darüber hinaus einen Einblick in die damaligen interkulturellen Kontakte. Außerdem lässt sich mithilfe der Keramiktypologie eine chronologische Einordnung der Grabungskontexte und -befunde anstellen. Dies bildet auch den Schwerpunkt der Arbeit von Vera M.

Momentan beschäftigen sich noch mit der graphischen Aufnahme sowie der Auswertung des lithischen, makrolithischen Materials und den Kleinfunden Clara Jeuthe und Silvia Prell (siehe Die faszinierende Welt der kleinen Dinge), sowie des Tierknochenmaterials Karl Kunst und Konstantina Saliari. Im weiteren sind in der diesjährigen Herbstsaison Sarah Baumert, Christiane Lamm, David Schmid und Christian Langer beschäftigt.

Wir erwarten viele spannende Forschungsergebnisse!

English version:

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Vera Michel untersucht Keramik / Vera Michel is analysing ceramics

Ancient Egypt is often perceived as the land of the Pharaohs, with rich tombs and huge temples. By contrast, recent archaeological research seeks to provide a better idea about the everyday life of ancient Egypt. The archaeological settlement of Tell el-Dab’a offers an excellent opportunity for this. One of the main foci of interest is the nature of the residents of the ancient city of Avaris.

During three seasons between 2010 and 2012 excavations were undertaken in the so-called area R/III, and these revealed an unexplored town quarter. As an administrative and domestic quarter it played a crucial role in the development of Avaris during the later Second Intermediate Period.

The analysis of the finds and features takes place within the framework of the project „Function of an Egyptian Town“ Projektnr. P25804-G19. This project includes two PhD students from the fields of Egyptology and Ancient Near Eastern Archaeology. Since 2014 Vera Michel has been working on the pottery from the archaeological context, and Chiara Reali on the seal impressions and further administrative material.

The largest group of material from area R/III consists of about 1200 seal impressions which show Egyptian and Near Eastern influences. Among these Chiara has identified the name of the Hyksos ruler Khyan, as well as other official titles. Besides the iconographic motifs, the containers that they sealed and the goods in them are also of interest.

The ceramics are one of the most important everyday objects in Ancient Egypt. The majority of the vessels are related to storage, preparation, transportation and consumption of food and raw materials. In addition, the provenance of imported pottery sheds light on intercultural contacts.
The pottery typology can be used as a chronological control enabling the placing of the archaeological contexts in time. This is the main focus of Vera M.’s work.

In addition, Clara Jeuthe and Silvia Prell are currently analysing lithic and macrolithic material and small finds (see The fascinating world of small things). Karl Kunst and Konstantina Saliari are researching the animal bones. Sarah Baumert, Christiane Lamm, David Schmid and Christian Langer are also involved in the present season.

We expect many exciting results from their research!

Die faszinierende Welt der kleinen Dinge / The fascinating world of small things

(English version below)

Silvia Prell mit einer Statuette aus Ton

Silvia Prell mit einem Figürchen aus Ton / Silvia Prell with a human figurine made of clay

Silvia Prell widmet sich bei den Ausgrabungstätigkeiten in Tell el-Dab’a einer Fundgruppe, deren Faszination sich oftmals erst auf den zweiten Blick offenbart: die archäologischen Kleinfunde. Gerade die kleinen Dinge enthalten häufig wertvolle Informationen und ermöglichen eine umfassende Charakterisierung von Fundgruppen.

Silvia Prell muss sich „nicht die Nase an einer Vitrine platt drücken“, um sich mit den Objekten zu beschäftigen. Sie kann Objekte anfassen, die eine ganz eigene Sprache sprechen:

Man begegnet unmittelbar dem Wirken der Menschen. Wenn beispielsweise bei einem Skarabäus die Durchbohrung fehlgeschlagen ist, sehe ich im Geiste, wie sich der Handwerker einst darüber ärgerte.

Daneben erfordert es oft „detektivische“ Arbeit und Herumfragen bei Kollegen, um der Funktion einzelner Dinge auf die Spur zu kommen. Erst kürzlich konnte sie ein Objekt aus Fayence als Auge einer Nilpferdstatuette identifizieren.

Die Mitarbeitering Sarah X. beim Zeichnen /

Die Mitarbeiterin Sarah Baumert beim Zeichnen / The assistant Sarah Baumert while drawing

Derzeit bearbeitet Silvia Prell die Kleinfunde aus den Grabungen des Areals R/III. Diese werden zunächst sortiert, inventarisiert und dann auch fotografiert und gezeichnet. Beim Fundareal R/III handelt es sich um ein Verwaltungszentrum und Stadtviertel aus der späten Zweiten Zwischenzeit. Unter den zahlreichen Kleinfunden befinden sich unter anderem Tier- und Menschenfigürchen aus Ton, Fayenceperlen, eine Opferplatte und Einlagen und Knöpfe aus Knochen.

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English version:

At the excavations in Tell el-Dab’a Silvia Prell dedicates herself to a group of material whose fascination is often revealed only after a second glance: the archaeological small find. In many cases these small objects provide valuable information and allow a comprehensive characterization of archaeological groups of findings.

Silvia Prell mit dem Auge einer Nilpferdstatuette

Silvia Prell mit dem Auge einer Nilpferdstatuette / Silvia Prell with the eye of a hippopotamus statuette

Silvia Prell is not obliged to look at the object through a glass case to deal with them. She can touch the objects, and let them speak to her in their own language.

You have a direct encounter with the work of the people. When the perforation of a scarab fails, I can see in my mind’s eye how the craftsman was upset with himself.

Furthermore „investigative“ methods, including enquiring from one’s colleagues are often required to get begin to explain individual pieces. Recently she was able to identify a fayence object as the eye of a hippopotamus statuette.

She is currently registering the small finds from the excavations in area R/III. These are first sorted, then inventoried, photographed and drawn. The area R/III is an administrative center and a domestic district from the late Second Intermediate Period. Among the numerous small finds are human and animal figurines made of clay, fayence beads, an offering plate, and inlays and knobs made of bone.

Willkommen auf dem offiziellen Avaris-Blog / Welcome to the official Avaris blog

/ English version below! /

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Ausgrabung in Tell el-Dab´a / Excavation at Tell el-Dab´a

Herzlich willkommen auf der offiziellen Blog-Seite über die Ausgrabungen des Österreichischen Archäologischen Instituts in Tell el-Dab’a, dem antiken Avaris!

Diese archäologische Fundstätte liegt im östlichen Nildelta, etwa 120 km nordöstlich von Kairo, beim heutigen Ort Tell el-Dab’a am Pelusischen Nilarm, dem östlichsten der Deltaarme.

Bereits zu Beginn des Mittleren Reiches entstand hier eine planmässig angelegte Siedlung. Ab der späten 12. Dynastie siedelten sich zunehmend Einwanderer aus Vorderasien an.

Besonders bekannt ist die Stadt heute als Avaris, die Hauptstadt der sogenannten Hyksos („Herrscher der Fremdländer“): In der politisch unruhigen zweiten Zwischenzeit gelang es vorderasiatischen Einwanderern sich politisch unabhängig zu machen. Diese bildeten die 15. Dynastie.

Erst König Ahmose, dem Begründer der 18. Dynastie, der einem alteingesessenen thebanischen Herrschergeschlecht entstammte, gelang es, Avaris zu erobern, die Hyksos endgültig zu vertreiben und somit das Land wieder zu vereinen.

In der früheren 18. Dynastie entstand ein Palastbezirk. Als bedeutendste Entdeckung fand man hier unzählige Fragmente mit minoischen Malereien, darunter Szenen mit Stierspringern und Stierringern.

Zu Beginn der 19. Dynastie wurde an dem Fundplatz die neue Hauptstadt Piramesse gegründet, nahe des modernen Ortes Qantir. Dabei dürften geopolitische Gründe eine wesentliche Rolle gespielt haben, da Piramesse viel näher an den ägyptischen Vasellenstaaten in Vorderasien und an der Grenze zum feindlichen Hethiter-Reich lag.

Ab dem späten 11. Jh. v. Chr. begann der Pelusische Nilarm jedoch zu versanden. Die Stadt Piramesse wurde aufgegeben und zahlreiche Monumente wurden in das 30 km entfernte Tanis verfrachtet.

In der Spätzeit gewann der Fundplatz wieder an Bedeutung, vermutlich wurde der Pelusische Nilarm wieder aktiviert, und blieb bis in die Spätantike besiedelt.

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Das Grabungshaus / excavation house

Die jüngeren Forschungsschwerpunkte des Österreichischen Archäologischen Instituts verlagerten sich von Grabungen in Palästen auf echte Siedlungsarchäologie, d.h. die Erforschung der Stadt unter sozialen, geographischen, historischen und ökologischen Gesichtspunkten steht nun im Vordergrund.

Grundlage dafür bietet der auf Basis der Magnetik erstellte Übersichtsplan von Tell el-Dab’a. Dazu gehören nicht zuletzt die Untersuchung der antiken Flussarme und die Rekonstruktion der Hafen-Landschaft.

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English version:

Welcome to the official blog page about the excavations by the Austrian Archaeological Institute of the site of ancient Avaris!

This archaeological site is located at modern Tell el-Dab’a in the north-eastern Nile Delta, about 120 km from Cairo, on the Pelusiac branch of the Nile.

The site was first settled at the beginning of the Middle Kingdom, and a planned settlement was built. From the late 12th dynasty immigrants from the east, “Asiatics”, increasingly settled there.

The site is well known today as Avaris, the capital of the so-called Hyksos („rulers of the foreign countries“). During the politically unstable Second Intermediate Period the Near Eastern immigrants succeeded in becoming politically independent. Their rulers comprise the 15th dynasty.

Ahmose, the founder of the 18th Dynasty, who was descended from a long-established Theban dynasty, conquered Avaris, expelled the Hyksos and reunited the country.

In the earlier 18th dynasty a new palace district was constructed. Here the biggest surprise was the numerous fragments of wall plaster decorated with Minoan wall paintings. The motifs include bull leaping and bull grappling.

In the early 19th dynasty, the new capital of Pi-Ramesses was founded in modern Qantir, some 2 km from Avaris. Geopolitical reasons played a significant role in this, since the site was closer to the Egyptian vassal states in the Near East and to the border with the hostile Hittite empire.

From the late 11th century BC, however, the Pelusiac branch of the Nile began to silt up. The 21st dynasty moved the city to the new branch, and established Tanis, about 30 km to the north-west of Pi-Ramesses. Many monuments were transported to the new site.

In the Late Period the site increased in importance, and the Pelusiac Nile branch may have become activ again. The settlement activity continued into Late Antiquity.

The recent research of the Austrian Archaeological Institute has moved from excavations in palaces to real settlement archeology. The focus is now on exploring the city from a social, geographical, historical and ecological point of view. This research is based on the geomagnetic survey of Tell el-Dab’a, which includes the reconstruction of ancient river channels and the harbor landscape.