Burying the Dead in Avaris: Tombs from the Area R/IV

(deutsche Version unten)

The archaeological excavations at Tell el-Dabca (ancient Avaris) have over the past two years (2013-2014) concentrated on area R/IV (cEzbet Rushdi) which can very probably be identified as the main harbor of the town. This investigation is part of a research project on the reconstruction of the fluvial landscape and its harbours (financed by the Austrian Archaeological Institute and the Austrian Science Fund: FWF-Projekt P25804). The geophysical survey of the area and the results of the archaeological excavations have shown activity from the later Middle Kingdom to the New Kingdom, with a hiatus during the 18th dynasty. Within area R/IV around 50 burials of the Second Intermediate Period and containing more than 100 objects have been detected in just two excavation seasons.

Astrid H.

Astrid H. is analysing pottery / Astrid H. untersucht Keramik

Burials are a rich source of information for archaeologists. They inform us about the mortuary customs and funerary beliefs of ancient societies. Additionally, through the anthropological analysis of skeletal remains of the deceased valuable information about the age, gender, nutrition, health, work activities and traumas can be obtained.

During the autumn season of 2014 part of the work at Tell el-Dabca carried out by Uroš Matić and Astrid Hassler concentrated on the pottery coming from the burials from area R/IV. The analysis of the pottery gives us rich data for dating the tombs and also for understanding the funerary assemblage. It also provides us with valuable information about the contacts between Avaris with other regions including Syria-Palestine and Cyprus, as imported pottery sometimes forms part of the funerary assemblage, and this is the case with the burials from area R/IV.

Uroš

Uroš M.

Research by Uroš Matić on the tombs from area R/IV also includes the analysis of the tomb architecture and the distribution of burials on the site, as well as their comparison with tombs from other areas of Tell el-Dabca. The preliminary results from the pottery analysis shows that they can be associated with Strata F to D/2 (Middle Bronze Age IIA-IIB), which according to historical chronology equates with the 13th to the end of the 15th dynasty. The majority of the tombs come from the 15th dynasty.

The work on the burials from area R/IV is continuing parallel to the excavations in this area. The skeletal material from the burials will be analyzed by anthropologists during the coming spring campaign and the results combined with the archaeological evidence. This will allow us to begin to reconstruct how people lived and died in the harbor area of Avaris.

Deutsche Version:

Bestattung der Toten in Avaris: Gräber aus dem Areal R/IV

Die archäologischen Ausgrabungen in Tell el- Dabca (antikes Avaris) konzentrierten sich in den letzten zwei Jahren (2013-2014) auf das Areal R/IV (cEzbet Rushdi). Dieses kann wahrscheinlich als Haupthafen der Stadt identifiziert werden. Diese Untersuchung wird im Rahmen eines Forschungsprojektes zur Rekonstruktion der Fluss- und Hafenlandschaft durchgeführt (Finanzierung durch das Österreichische Archäologische Institut und den Österreichischen Forschungsfont: FWF-Projekt P25804). Die geophysikalische Bestandesaufnahme des Gebiets und die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen belegten eine Aktivität vom späten Mittleren Reich bis zum Neuen Reich, mit einem Hiatus während der 18. Dynastie. In nur zwei Ausgrabungs-Kampagnen konnten innerhalb des Areals R/IV etwa 50 Gräber mit mehr als 100 Objekten aus der Zweiten Zwischenzeit ausfindig gemacht werden.

Uroš

Uroš M. with pottery from area R/IV / Uroš M. mit Keramik aus dem Areal R/IV

Bestattungen sind eine reiche Quelle an Informationen für Archäologen. Sie informieren uns über Bestattungsbräuche und Jenseitsvorstellungen der antiken Gesellschaften. Zudem erhält man durch die anthropologische Analyse der Skelettreste des Verstorbenen zahlreiche Daten über Alter, Geschlecht, Ernährung, Gesundheit, Arbeitstätigkeiten und Verletzungen.

Während der Herbstkampagne 2014 konzentrierte sich ein Teil der Arbeit von Uroš Matić und Astrid Hassler auf die Keramik, die aus den Gräbern dieses Areals stammen. Die Analyse des Keramikmaterials gibt uns nicht nur wertvolle Informationen zur Datierung der Gräber, sondern auch zur Grabausstattung. Darüber hinaus sind sie Zeugnis von Kontakten zwischen Avaris und anderen Regionen wie Syrien, Palästina und Zypern, da Importkeramik ebenfalls ein Teil der Grabbeigaben sein kann, wie es in den Bestattungen im Areal R/IV der Fall ist.

Uroš Matićs Forschungstätigkeit beschäftigt sich auch mit der Grabarchitektur und der Verteilung der Gräber auf dem Fundplatz sowie mit dem Vergleich mit Gräbern aus anderen Arealen in Tell el-Dab’a.

Die vorläufigen Ergebnisse der Keramik-Untersuchung der Gräber zeigen, dass diese in die Strata F bis D/2 (Mittlere Bronzezeit IIA-IIB) datieren, welche in der historischen Chronologie der Zeit von der 13. bis zum Ende der 15. Dynastie entsprechen, die Mehrheit dieser Gräber datiert in die 15. Dynastie.

Die Arbeiten zu den Bestattungen aus dem Areal R/IV werden parallel zu den Ausgrabungen in diesem Bereich fortgesetzt. Das Skelettmaterial aus den Bestattungen wird während der aktuellen Frühjahrskampagne durch Anthropologen untersucht werden. Diese Arbeiten erlauben uns, Leben und Tod im Hafenbereich von Avaris zu rekonstruieren.

Avaris lebt! – Forschungen im Areal R/III in Tell el-Dab’a / Avaris is alive! – Research in the area R/III at Tell el-Dab’a

(English version below)

Oft wird das Alte Ägypten als das Land der Pharaonen wahrgenommen, mit großen Tempeln und reichen Gräbern. Demgegenüber versucht gerade die jüngere Forschung ein klareres Bild über die altägyptische Alltagswelt zu schaffen. Die Siedlungsarchäologie in Tell el-Dab’a bietet dazu eine ausgezeichnete Gelegenheit. Im Fokus stehen die Bewohner der antiken Stadt Avaris.

Ausgrabungen

Ausgrabungen im Areal R/III / Excavations in the area R/III

In drei Kampagnen zwischen 2010 und 2012 wurde ein neues Stadtquartier freigelegt, das sogenannte Areal R/III. Dieses spielte als Verwaltungs-und Wohnbezirk eine entscheidende Rolle in der Stadt Avaris während der späten Zweiten Zwischenzeit.

Die Aufarbeitung der Funde und Befunde vollzieht sich im Rahmen des FWF-Projektes „Abläufe einer ägyptischen Stadt – Fallstudie Tell el-Dab’a“, Projektnummer Projekt P25804-G19. Dieses beschäftigt unter anderem zwei Doktorandinnen aus den Gebieten der Ägyptologie und Vorderasiatischen Archäologie: Vera Michel bearbeitet seit 2014 die Keramik, Chiara Reali die Siegelabdrücke und weiteres Verwaltungsmaterial.

Chiara Reali

Chiara Reali untersucht Siegelabdrücke / Chiara Reali is analysing seal impressions

Die größte Fundgattung der materiellen Kultur aus dem Areal R/III bilden die etwa 1200 Siegelabdrücke, welche ägyptische und vorderasiatische Einflüsse zeigen. Unter diesen identifizierte Chiara R. den Namen des hyksoszeitlichen Herrschers Chayan sowie Beamtentitulaturen. Ebenso von Interesse sind die ikonographischen Motive, die versiegelten Behältnisse und die dazugehörigen Güter.

Die Keramik gehörte zu den wichtigsten Alltagsgegenständen im Alten Ägypten. Die Mehrheit der Gefäße stand im Zusammenhang mit Lagerung, Zubereitung, Transport und Verzehr von Lebensmitteln und anderen Rohstoffen. Die Herkunftsbestimmung der nach Tell el-Dab’a importierten Tonwaren gewährt darüber hinaus einen Einblick in die damaligen interkulturellen Kontakte. Außerdem lässt sich mithilfe der Keramiktypologie eine chronologische Einordnung der Grabungskontexte und -befunde anstellen. Dies bildet auch den Schwerpunkt der Arbeit von Vera M.

Momentan beschäftigen sich noch mit der graphischen Aufnahme sowie der Auswertung des lithischen, makrolithischen Materials und den Kleinfunden Clara Jeuthe und Silvia Prell (siehe Die faszinierende Welt der kleinen Dinge), sowie des Tierknochenmaterials Karl Kunst und Konstantina Saliari. Im weiteren sind in der diesjährigen Herbstsaison Sarah Baumert, Christiane Lamm, David Schmid und Christian Langer beschäftigt.

Wir erwarten viele spannende Forschungsergebnisse!

English version:

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Vera Michel untersucht Keramik / Vera Michel is analysing ceramics

Ancient Egypt is often perceived as the land of the Pharaohs, with rich tombs and huge temples. By contrast, recent archaeological research seeks to provide a better idea about the everyday life of ancient Egypt. The archaeological settlement of Tell el-Dab’a offers an excellent opportunity for this. One of the main foci of interest is the nature of the residents of the ancient city of Avaris.

During three seasons between 2010 and 2012 excavations were undertaken in the so-called area R/III, and these revealed an unexplored town quarter. As an administrative and domestic quarter it played a crucial role in the development of Avaris during the later Second Intermediate Period.

The analysis of the finds and features takes place within the framework of the project „Function of an Egyptian Town“ Projektnr. P25804-G19. This project includes two PhD students from the fields of Egyptology and Ancient Near Eastern Archaeology. Since 2014 Vera Michel has been working on the pottery from the archaeological context, and Chiara Reali on the seal impressions and further administrative material.

The largest group of material from area R/III consists of about 1200 seal impressions which show Egyptian and Near Eastern influences. Among these Chiara has identified the name of the Hyksos ruler Khyan, as well as other official titles. Besides the iconographic motifs, the containers that they sealed and the goods in them are also of interest.

The ceramics are one of the most important everyday objects in Ancient Egypt. The majority of the vessels are related to storage, preparation, transportation and consumption of food and raw materials. In addition, the provenance of imported pottery sheds light on intercultural contacts.
The pottery typology can be used as a chronological control enabling the placing of the archaeological contexts in time. This is the main focus of Vera M.’s work.

In addition, Clara Jeuthe and Silvia Prell are currently analysing lithic and macrolithic material and small finds (see The fascinating world of small things). Karl Kunst and Konstantina Saliari are researching the animal bones. Sarah Baumert, Christiane Lamm, David Schmid and Christian Langer are also involved in the present season.

We expect many exciting results from their research!