Die Vermessung der archäologischen Welt // Measuring the Archaeological World

(English version below)

Archäologische Tätigkeit zerstört häufig gleichzeitig den Gegenstand des Interesses. Der Zusammenhang der abgelagerten Objekte und Schichten wird allmählich abgetragen. Dies trifft nicht zuletzt auch für die Siedlungsstrukturen des antiken Avaris zu.

Eine genaue Dokumentation der Funde und Befunde ist deshalb eine Grundvoraussetzung, denn dadurch erzeugt die Archäologie eine sekundäre Quelle, die weitere Forschung ermöglicht. Neben der zeichnerischen, fotografischen und schriftlichen Dokumentation ist eine exakte Vermessung von elementarer Bedeutung. Astrid Hassler ist für deren technische Ausführung bei den Ausgrabungstätigkeiten in Tell el-Dab’a / Avaris verantwortlich.

Abb. Vermessung

Astrid Hassler (links) erklärt das GPS-Messgerät / Astrid Hassler (left) explains the GPS station

Vermessungstechnik wird hier für eine Vielzahl von Aufgaben eingesetzt. Dies beginnt bereits bei der kartographischen Aufnahme eines Gebiets und der Beurteilung von Grösse und Typ eines Fundplatzes und endet bei der koordinatengenauen Verortung kleinster Fundobjekte.

In einem ersten Stadium der archäologischen Feldarbeit werden Funde und Befunde messtechnisch erfasst. Mit Hilfe eines Tachymeter der Firma Leica werden im Umkreis neuer zu ergrabender Flächen Meßpunkte gesetzt; hierfür wird an geeigneter Stelle ein reflektierendes Prisma mit dazugehörigem Lotstab am Zielpunkt aufgestellt. Der Tachymeter steht auf einem vorher definierten Fixpunkt mit bekannten Koordinaten, welcher möglichst beständig sein sollte. Astrid Hassler bemerkt über die technischen Schwierigkeiten: „In der sich stetig im Wandel befindenden Landschaft des ägyptischen Deltas stellt diese Grundvoraussetzung eine besondere Hürde dar.“

Anhand der Meßpunkte kann nun die neue Grabungskante zielgenau eingemessen werden. Die fortlaufend gespeicherten Daten der Ausgragung werden später in eine elektronische Datenbank überspielt, was eine Erstellung eines Grundrißplans der Fläche bereits während der laufenden Grabung ermöglicht.

Einmessung eines Messpunkts bei den Ausgrabungen im Areal R/IV mit Hilfe eines Prisma-Reflektors  / Calibration of a measuring point at the excavation of area R/IV using a prism reflector

Einmessung eines Messpunkts bei den Ausgrabungen im Areal R/IV mit Hilfe eines Prisma-Reflektors / Calibration of a measuring point at the excavation of area R/IV using a prism reflector

Zunehmend wird in Tell el-Dab’a auch ein GPS-Gerät eingesetzt; selbiges kommt vor allem an Stellen zum Einsatz, wo der Tachymeter aufgrund fehlender Fixpunkte im Gelände an seine Grenzen stößt.

Eine bedeutende Entwicklung im Umgang mit geografischen Informationen ist der Einsatz geografischer Informationssysteme (GIS). Diese kombinieren die Datenbank mit digitalen Kartierungsprogrammen und sind auf Analyse und Darstellung räumlicher Daten ausgelegt.

Ein GIS kann eine enorme Menge an topografischen, ökologischen und archäologischen Daten verarbeiten. Informationen lassen sich auf verschiedene Kartenebenen verteilen, beispielsweise können verschiedene Fundgattungen auf unterschiedliche Ebenen aufgeteilt und damit z.B. Statistiken über Fundhäufungen etc. angefertigt werden.

Diese Methoden erleichtern das weitere Studium des Datenmaterials enorm. Sie geben innerhalb des Fundplatzes Aufschluss über die horizontale Ausdehnung im Raum und die vertikalen Veränderungen in der Zeit (Stratigraphie). Die Herkunft jedes Artefakts kann dreidimensional festgestellt und abgebildet werden.

Während sich früher das archäologische Interesse oft auf einzelne Fundorte konzentrierte, erforschen Archäologen heute auch ganze Regionen. Das Datenmaterial bildet somit eine Grundlage für verschiedenste Anwendungsgebiete wie das Studium von Siedlungsmustern, Fundstättensystematisierung und Landschaftsarchäologie.

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English version:

Archaeological activities often simultaneously destroy the object of interest, and the relationship between the deposited objects and the archaeological layers is gradually removed. This is true for the settlement structures of ancient Avaris. Accurate documentation of the finds and the features is therefore a prerequisite, and produces a secondary source that enables further research. Besides the graphic, photographic and written documentation, precise measurement is of fundamental importance. At the excavations in Tell el-Dab’a / ancient Avaris, Astrid Hassler is responsible for its technical execution.

Surveying and point recording are used at Tell el-Dab’a for a variety of tasks. This starts with the cartographic recording of an area and the assessment of the size and type of a find spot, and ends with the establishment of coordinates giving an accurate position of the smallest finds.

Abb. Vermessung

Vermessung bei den Ausgrabungen im Areal R/IV mit dem Tachymeter / Surveying during the excavations in the area R/IV with the tachymeter

As a first stage of archaeological fieldwork the finds and other features are metrologically recorded. Using a total station from Leica, new fixed points are set within the boundaries of the new area to be explored. To do this a reflecting prism with a corresponding vertical bar is placed at a suitable target point. The total station is located on a previously defined fixed point with known coordinates, which should be as resistant to destruction and movement as possible. Astrid Hassler notes of the technical difficulties: “In the steadily changing landscape of the Egyptian delta, this basic requirement poses a big challenge.”

On the basis of the fixed points, the new excavation edge can now be measured accurately. The continuously stored data is later transferred to an electronic data base, which enables the creation of a ground plan of the area during the excavation.

Increasingly, a GPS device is also used in Tell el-Dab’a, and this is mainly used in locations where the total station has reached its limits due to the lack of fixed points on the ground.

A significant development in the handling of geographic information is the use of geographic information systems (GIS). These combine the database with digital mapping programs and are designed for the analysis and representation of spatial data.

A GIS can handle a tremendous quantity of detailed topographic, environmental and archaeological data. Information can be moved into different mapping layers, so that, for example, types of finds can be separated into different layers, and thus, statistics can be derived of find distributions.

These methods greatly facilate the further study of the data. They shed light on the horizontal extension in space and the vertical changes in time (stratigraphy) of an archaeological site. The origin of each artefact can be located and mapped in three dimensions.

While in the past archaeological interest often focused on individual find spots, today archaeologists explore entire regions. Thus, the geographic data form a basis for various applications, such as the study of settlement patterns, archaeological site systematization and landscape archaeology.

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